STATION17




Live at Uebel & Gefährlich (June 18th, 2021)

Bemisst sich der Wert von Livealben hinlänglich an Sound, Songauswahl und Stimmung, kann gleichwohl ein Bruch mit dem Format an sich Anreize bieten, ähnlich wie es die TALKING HEADS in ihrem 1984er Konzertmitschnitt namens «Stop Making Sense» eindrucksvoll unter Beweis stellen. Einen ungleichen Bruch hingegen stellt die audiotechnisch dokumentierte Geburtstagsgala von STATION 17 im Uebel & Gefährlich auf St. Pauli dar. Während die New Yorker um David Byrne einst auf das Spiel mit Komik und große Theatralik setzten, inszeniert das Hamburger Experimentalkollektiv eine Revue, die vom Anlass ihres Jubiläums gerahmt einen Querschnitt aus den letzten gut 20 von insgesamt 30 Jahren Bandgeschichte illustriert. Veröffentlicht wurden an jenem 1. Februar 2019 - die allerersten Aufnahmen entstanden auf den Tag genau drei Dekaden früher - eine Best Of bzw. «Werkschau» und damit einhergehend eine seinerzeit brandneue Platte mit dem programmatischen Titel «Ausblick».

Chronologisch angefangen beim repetitiven Cola-Lite («Scheibe», 1997) mit Gründungsmitglied Andreas Lehrke über den zurückgelehnt yachtrockigen Opener Lila Pause («Hitparade», 2001) bis hin zum aktuellen Hit Halbe Portion Glück mit Andreas Dorau («Ausblick», 2019) besteht die Gästeliste auf der Bühne aus Ehemaligen (s.o., Pariya Massoumi, Birgit Hohnen und Karl-Heinz Hille) und den obligatorischen Promis. Darunter finden sich solch illustre Namen und im Bandkosmos teils immer wiederkehrende Protagonisten wie der soeben genannte Ohrwurmzüchter Dorau, FETTES BROT mit dem kaum gealterten Rap-Track Ohne Regen kein Regenbogen, FRITTENBUDEs Strizi Streuner zur Sloganhymne Alles für Alle, Andreas Spechtl von den Labelmates JA, PANIK und Langzeitkollaborateur Michael Rother. Letzterer begleitet sozusagen als Konstante den Weg STATION 17s seit nunmehr ihrem ersten, selbstbetitelten Album und überdauert damit sogar die Existenz seiner eigenen Formationen NEU! und HARMONIA.

So wird hier Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mittels umarrangierter Interpretationen und quasi-improvisatorischer Jams in einer eklektischen Bandbreite aus Disco, AM Pop, Electronica, Techno, Post Punk und v.a. Krautrock repräsentiert und weitergedacht. Im besten und mehrfachen Sinne kann der Verdienst der Idee STATION 17 als Avantgarde bezeichnet werden, praktizierte sie die sogenannte Inklusion doch schon lange bevor jener Begriff in Medien und an Universitäten Verbreitung fand. Drei Jahrzehnte und zehn reguläre Studioalben später manifestiert das zur popkulturellen Institution gewachsene Ensemble mit diesem außerordentlichen Release auf dem hanseatisch benachbarten Imprint von Bureau B ihr umfangreiches Schaffen und die Live-Umsetzung dessen.

Der Mix dieser mehrspurigen Aufnahme als solcher verzichtet dem Hörgenuss dienlich auf jegliche Overdubs und transportiert demgemäß die Atmosphäre resp. den performativen Charakter, der von der Interaktion mit dem Publikum geprägt ist. Dabei schließt sich wiederum die Klammer der Wahlverwandtschaft zur eingangs erwähnten US-amerikanischen Musikgruppe. Insofern müsste die treffende Losung dieser Veröffentlichung im Grunde lauten: Start Making Sense - auf weitere 30 Jahre!

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Photo Credit: Simon Hegenberg


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